Felix Dscherschinski II

Der mit seinem grünen Augen in der Feuchte des ausklingen Jahres verfaulende Körper gehört nicht wirklich dem Felix Dscherschinskij, sondern einem halbverhungerten Katzentier, das Jo beim Zusammenkehren der letzten Blätter hinter einer Staude fand und mich als Verstärkung aus dem Kelleratelier holte, weil das dünne Wesen gar so wild pfauchte. Mit den dicken Gartenhandschuhen und der panzerähnlichen Lederjacke zwängte ich mich irgendwie zu dem Katzentier, das gehörig pfauchte. Die Knie wurden zittrig - halb kniend, an der Gartenmauer verkeilt, einen dürren Ast im Auge gelang es mir nach einer halben Stunde das Viech ohne angepfaucht zu werden, mit den Fingerspitzen zu streicheln. Nun… die Knie zitterten schon extrem und ich knie mich ungern nieder... weil ich sehr schwer wieder aufkomm… was eine andere Geschichte wiederum ist. Ich nahm das Tier hinten beim Gnack und trug es einmal zum mit einer Decke vorsorglich vorbereiteten Korb bei der Kellerstiege. Das Viecherl zog sich Rossas (ein gänzlich unpolitischer Hund mit blauem Blut- Rossa gehört zu den Mosers oder umgekehrt - auch eine andere Geschichte) vierhundert Gramm Hundeköstlichkeitendose scheinbar ohne einzigen Luftschnapper zwischendurch rein und zum Runterschwemmen ein Seiderl warmes Wasser mit einem Schuss Milch… auf Ex- versteht sich. Freilich haben wir telefoniert... mit dem örtlichen Tierschutzhaus... die Dame war sehr geduldig... aber nicht zuständig - überhaupt nicht zuständig - an die Gemeinde hat sie uns verwiesen - nun gut... irgendwann werden wir schon ergründen, wie das so ist mit dem Tierschutzhaus oder -heim… Das arme, dünne Viech lag nun im plastikverdeckten Korb auf mehreren Decken und am nächsten Tag ging wieder eine Vierhunderter und ein Seiderl in den dünnen Körper... das Viecherl schleppte sich auf ein Beet, verrichtete ihr Sacherl und bezog wieder den Korb...Wir pilgerten zum Tierarzt und dort sahen wir einen Knöchel... oder ist es das Knie… jedenfalls ein zersplitterter Knochen und ein freiliegendes Gelenk… wie man so schön sagt, mich hats zusammengedreht… ich schickte Jo wegen der Besprechung weiterer Schritte in den Warteraum… die Assistentin meinte, dass eine Amputation kein Problem für das Tier wäre... Das wiederum wäre nicht so meins. Entweder Operation und das Katzentier kann wieder gehen oder das Abschlussspritzerl... Es trifft ein Notfall ein… man läßt uns zwei alleine... Das Häufchen Elend habe ich inzwischen aber liebgewonnen...so ein Scheissdreck! - welches Arschloch fügt eigentlich so einer Pelzkugel so eine Verletzung zu? - gibt’s doch nicht... Natürlich gibt es schlimmeres... Den zu den Schweinebäuchen aus dem Angebot gehörigen Schweinen geht’s sicherlich noch grindiger… auch den Henderln - besonders denen, die später in die Tiefkühltruhe kommen… von den bombardierten Kindern aus dem Kindergarten von Hanoi oder Sarajewo... wurscht... ich verabschiede mich vom kleinen, dünnen, neuen Freund... Ich entschuldige mich...Nach einer langen Viertelstunde kommt die Göttin in Weiß und teilt mir mit, dass eine Operation versucht werden wird.Gleichzeitig meint sie, die “Eier” sollte man auch gleich... Also ehrlich... dem kann ich ned zustimmen... später vielleicht... aber doch ned jetzt in dieser Situation... So schwer verletzt und kastrieren... Das kann doch wirklich ned sein... Das Viecherl kann sich ja gar ned auf xundwerden freun... wo doch so viele Katzenfrauen in der Nachbarschaft wohnen... gepflegte Damen... Ich muss die Personalien bekanntgeben... auch dem Namen vom Kater, der mir ja gar nicht gehört... was weiß ich, wie der heißt...Dscherschinskij denk ich mir - ein guter Name... Später gabs die berühmte Dscherschinskij-Division... auf einen dieser Panzer ist der Herr Jelzin seinerzeit... im Hintergrund brannte der oberste Sowjet... jedenfalls ein guter Name für einen zaachen... Und weil die weiße Göttin nicht wusste, wie man Dscherschinskij schreibt, einigten wir uns auf Felix D. Nun, Jo nannte ihn Cat... mein Sohn meinte, Cat Guevara wäre auch nicht schlecht, weil er ja wirklich ein sehr zaacher ist... Cat hat nun nach drei Wochen den Gips runterbekommen, dank der aufopfernden Schwester Josefine - immerhin mußte Guevara sogar scheißen getragen werden… heute in der Nacht hat er den leichten Verband im Vorzimmer verloren und schläft nun nahezu schmerzfrei seine gut zweiundzwanzig Stunden täglich…. Und wenn es die Schlafpausen zulassen, hatscht er raus auf die Terasse und schaut… vielleicht wegen der Weiber…